top of page

Bousseldande: NCV ernennt 2026 gleich zwei Ehrendoktoren

Aktualisiert: 31. Dez. 2025


Mittelhessische Mundart-Meister


Bousseldande komme eanern Schäferhout


"Wahre Freundschaften währen ewig", sagte schon vor über 2.000 Jahren der römische Philosoph Cicero (106 v. Chr. – 43 v. Chr.). Und genau so eine „ewige“ Freundschaft verbindet unsere beiden Probanden für die Ehrendoktorwürde 2026. „Wir haben schon als Kinder zusammen bei meiner Tante gespielt“, erinnert sich Jochen Strunk an seine Kindheit mit seinem heutigen Bühnenpartner Klaus Wolf. „Dann haben wir uns mal ein paar Jahre aus den Augen verloren, aber 1992 quasi wiedergefunden“, ergänzt Wolf. Und damit begann eine Bühnenpartnerschaft, die den Titel „Erfolgsgeschichte“ mehr als verdient hat.

Klaus Wolf und Jochen Strunk sind Mittelhessen durch und durch. Wolf stammt gebürtig aus Dillenburg – Strunk aus Bonbaden (Braunfels) südwestlich von Wetzlar. Bis heute sind beide fest in Mittelhessen verwurzelt und haben dort ihren Lebensmittelpunkt. Und vor allem: Sie sprechen ihren heimischen Dialekt perfekt. Aber dazu später mehr.


Das Schauspiel – die „harte Schule“, wie Jochen Strunk sagt – lernten beide im Kellertheater Wetzlar. Und dann kam wie so oft der Zufall ins Spiel. 1992 war der Heimat- und Kulturverein Bonbaden auf der Suche nach einem Sketch für einen akademischen Abend. Zunächst ließ sich niemand finden. Und so sprangen unsere beiden künftigen Doktoren ein. „Dann haben wir uns bei einer Nachbarin ein paar alte Kittel ausgeliehen, einen alten Otto-Waalkes-Sketch auf Platt umgemünzt und auf der Bühne angefangen zu improvisieren“, erinnern sich die Probanden zurück. Es folgte eine Anfrage des Sportvereins und dann ein Auftritt vor rund 100 Gästen einer Hochzeit in der Wetzlarer Stadthalle. „Da sind wir damals noch für 50 Mark aufgetreten und haben nach zehn Minuten selbst unter dem Tisch gesessen, weil wir so viel Blödsinn mit den Leuten gemacht haben“, erinnert sich Klaus Wolf. Dieser Auftritt war quasi die Geburtsstunde der „Bousseldande“. Der Name stammt übrigens aus dem Hugenottischen und bedeutet so viel wie „fahrendes Volk“ oder „Straßenkünstler“.


Seitdem und bis heute (also mittlerweile beachtliche 33 Jahre lang) stehen die beiden mit ihren eigenen Programmen auf zahlreichen Bühnen. „Unsere ersten Rollen waren die Magd und der Bauer, später kamen immer mehr Rollen dazu“, so die künftigen Ehrendoktoren. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis auch die ersten karnevalistischen Anfragen ins Haus flatterten. Heute sind unzählige Fastnachtssitzungen fester Bestandteil der jährlichen Auftritte.


Von Anfang an hatten beide dabei ein klares Ziel vor Augen: den (mittel-)hessischen Dialekt bekannt zu machen und zu bewahren. „Mundart zu sprechen, war in vielen Bundesländern über Jahrzehnte nicht gesellschaftsfähig. Diesen Trend aufzuhalten, haben wir uns zur Lebensaufgabe gemacht“, sagen die Doktoren in spe auch heute noch voller Überzeugung. Für dieses Bestreben und ihre künstlerische Leistung wurden beide 2019 mit der Ehrenurkunde des Hessischen Ministers für Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet – zu Recht, findet das närrische Rektorat, das die beiden für den Ehrendoktortitel ausgewählt hat.


  

Die aufgeführten Stücke schreiben die beiden seit jeher selbst. Inspiration dafür finden sie im Alltag – indem sie beobachten, was um sie herum passiert. „Wir gucken den Leuten da schon aufs Maul“, sagt Jochen Strunk lachend. Vieles entsteht aber auch privat zwischen den beiden jahrzehntelangen Bühnenpartnern, die sogar mal eine Zeit lang gemeinsam auf einem Bauernhof gewohnt haben. „Man sagt immer: Die Kunst kopiert das Leben. Bei uns ist es wirklich so. Alles, was du auf der Bühne machst, erlebst du auch im wahren Leben, oder umgekehrt“, sagen die künftigen Doktoren mit Blick auf ihre Programme. Und wir möchten hinzufügen: Genau das macht sie so unfassbar authentisch! Ergänzt wird das Ganze durch eine Bühnenshow mit sehr viel Liebe zum Detail – angefangen bei originalen Möbeln aus dem vorigen Jahrhundert bis hin zu den originellen Kostümen der Darsteller. Und das zahlt sich aus. Die Auftritte der Bousseldande sind in der Regel schon nach wenigen Tagen ausverkauft – ohne große Werbung, allein durch Mundpropaganda.


Kein Wunder also, dass früher oder später auch das Fernsehen nicht mehr um das Mundart-Duo herumkam. Mittlerweile haben Wolf und Strunk zahlreiche Fernsehauftritte absolviert – unter anderem bei sämtlichen Fastnachtsformaten des Hessischen Rundfunks. Auch dadurch sind wieder neue Freundschaften und Bühnenpartnerschaften entstanden. So stehen die Ehrendoktoren in spe mittlerweile auch als Teil des sogenannten „Comedy-Quintetts“ auf der Bühne – zusammen mit Olga Orange, Kättl Feierdaach und Michaela Hartnagel-Keil.

Am 30.01.2026 bekommen die Bousseldande dann (zumindest für einen Abend) rund 100 weitere Bühnenpartner – nämlich die Aktiven des Niddaer Carneval Vereins. Und feiern so – nach 33 gemeinsamen Jahren – quasi ein närrisches Jubiläum auf der NCV-Bühne. Wir freuen uns auf eine Show, bei der sicher kein Auge trocken bleibt und sagen schon einmal (natürlich in mittelhessischer Mundart): Schie´ doas Ihr do seid!


Karten für die Doktorensitzung am 30.01.2026 gibt's im NCV-TICKETSHOP

Kommentare


bottom of page